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Michael Ehnert

10. April 2017 von Ann-Kathrin Halter

Zu sehen in Goethes sämtliche Werke… leicht gekürzt.

Ehnert wurde 1967 in Hamburg geboren und hat seitdem etwa 5.000 amerikanische Action-Filme gesehen. Das daraus gewonnene „Fachwissen“ kommt ihm bei seinen Arbeiten sehr zu Gute. Ob vor der Kamera, beim Schreiben von Drehbüchern oder auf der Bühne.

Schon in seinem ersten selbst geschriebenen Bühnenprogramm (1992: „Die Schneesucher – Lethal Weather“, zusammen mit Kristian Bader) spielt er einen coolen Killer-Androiden, der erst einmal schießt, bevor er lange umständliche Fragen stellt, und der immer den passenden coolen Spruch zur Hand hat. Im sekundenschnellen Wechsel spielt er aber auch schon damals abstruse Figuren wie Angela Merkel, Ignacio Lopez, Klaus Kinski und Gott. Dieses Weltrettungsprogramm des Bader-Ehnert-Kommandos wird schließlich so erfolgreich, dass aus dem ursprünglich als Einzelwerk angelegten Stück die in Kabarettkreisen mittlerweile legendäre Lethal-Weather-Trilogie wird, für die das BEK 1997 den Deutschen Kleinkunstpreis erhält. Mit Horst, dem Schlachter, einer weiteren Figur aus dem Bader-Ehnert-Panoptikum, geht Ehnert 2002 erstmals allein auf Tournee und erhält auf Anhieb das Düsseldorfer „Sprungbrett“.

Nach der Auflösung des BEK widmet sich Ehnert erst einmal diversen Regie-Arbeiten für das Kom(m)ödchen in Düsseldorf (2003: „6. Tag, 2. Versuch“) und der Lach- und Schießgesellschaft in München (2004: „Jenseits von Oz“, 2005: „Abgehängt“, 2007: „Last Minute“). Diese Programme, in denen Affen mit Bohrmaschinen gefoltert, Katzen mit Geflügelscheren zerschnitten und drollige Mädchen von liebevollen Pädagogen misshandelt werden, irritieren das Publikum der beiden Traditionshäuser in nicht geringem Maße. Mit seinen Solo-Trilogie („Mein Leben“ / „HeldenWinter“ / „Das Tier in mir“) verabschiedet sich Ehnert dann endgültig von dem, was man üblicherweise als Kabarett bezeichnet. Seine Soloprogramme sind eine Mischung aus Kabarett, Comedy, Theater und Film. Sie sind autobiographische Lebensbeichte, Fiebertraum und nicht zuletzt großes Schauspiel. Die von Ehnert dargestellten Charaktere (er selbst?) werden mit den Jahren immer vielschichtiger und seine großmäuligen Helden fallen zunehmend heftig auf die Schnauze. Doch sie stehen immer wieder auf und machen Ehnert damit zu einem „Ritter auf verlorenem Posten“: Er weiß, dass er keine Chance hat, die Welt zu retten, aber er tut es trotzdem. Das ist Dialektik. Das ist Wahnsinn. Und das ist vor allem grandiose Unterhaltung.

Ehnert ist mit einer in jeder Hinsicht phantastischen, überaus attraktiven, hochintelligenten und sau-komischen Frau verheiratet und hat zwei Söhne, deren Namen keinen Zweifel daran aufkommen lassen sollen, dass sie später einmal Revolverhelden werden: Johnny Vincent und Billy László.

Wenn er sich gerade einmal nicht seiner Familie widmet oder mit seinen vielseitigen künstlerischen Aktivitäten die Welt rettet, liest er Bücher von Cormac McCarthy oder schaut seine Lieblingsfilme auf DVD: Lethal Weapon, Die Hard, Blade Runner, Kinder des Olymp, Ist das Leben nicht schön?, Taxi-Driver, Magnolia, Sissi 1, Sissi 2 und Sissi 3. Fürs Fernsehen arbeite Ehnert bisher mit Christian Alvart (im „Tatort“), mit Claudia Garde (in „Bankraub für Anfänger“), mit Oren Schmuckler (in den ZDF-Reihen „Stubbe“ und in „Notruf Hafenkante“) mit Tobi Baumann (in der RTL-Serie „Kinder, Kinder“), mit Kai Wessel (im ARD-Spielfilm „Juls Freundin“), mit Torsten Wacker (in der Pro7-Comedy „Axel will’s wissen“), mit Michael Rowitz (in dem PRO7-Thriller „Ein Mann wie eine Waffe“ und dem SAT1-Thriller „Der Tod in deinen Augen“, mit Sigi Rothemund (im Pro7-Thriller „Das Finale“), mit Thorsten Näter (im ARD-Film „Gegen den Strom“ und im ARD-Zweiteiler „Napoleon Fritz“) Außerdem ist er in „Ritas Welt“, „Die Cleveren“, „SK Kölsch“, „Ein Fall für Zwei“, „Doppelter Einsatz“, „Wolffs Revier“, den „Rettungsfliegern“ und in vielen anderen hier aus gutem Grund nicht genannten Fernsehproduktionen zu sehen gewesen…

Ehnert spielte Anfang der 90er Jahre am Münchener Residenztheater und am Schauspielhaus in Dortmund, er wurde für seine Bühnenarbeit 1997 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis, 2002 mit dem Sprungbrett, 2005 mit dem Deutschen Kabarettpreis und sogar zweimal (1995 und 2005) mit dem Prix Pantheon ausgezeichnet.

Darüber hinaus wird er auch weiteren Abenteuern nicht aus dem Weg gehen…

Foto: © Guido Schwarz